Kapitel 8: Teilhabe aller ist unsere Verantwortung

Kita Wilkenburg

Die soziale Ungleichheit wächst und die Verteilung von Einkommen und Vermögen driftet immer weiter auseinander. Corona-Pandemie und Klimawandel werden dies verschärfen. Kommunalpolitik kann Armut nicht verhindern, sie kann aber die Folgen durch Maßnahmen der Stadtentwicklung, eine gute Infrastruktur sowie ein breites soziales Beratungs-, Hilfe- und Unterstützungsnetz lindern. Mit der Region Hannover und der Stadt Hemmingen vor Ort können wir viel schaffen.

Eintritt nur mit dickem Geldbeutel?

  • Auch für diejenigen, die sich kein Wohneigentum leisten können, muss in Hemmingen gutes Wohnen bezahlbar sein. Menschen in besonderen Lebenslagen wie junge Familien, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen, Migrant*innen, Geflüchtete, Studierende, Auszubildende sowie Rentner*innen sollen in einem gemeinwohlorientierten Wohnungsbau Unterstützung finden.
  • Senior*innen, die sich für ein Leben in Selbstständigkeit einen kleineren Wohnraum wünschen, müssen Beratung und Unterstützung erhalten.
  • Wohnraumtausch muss gefördert werden.

Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft.

  • Sie sollen gut aufwachsen und ihre Persönlichkeit entwickeln, damit sie sich als Teil unserer Gesellschaft erfahren und später Verantwortung übernehmen können.
  • Dazu benötigen sie ausreichenden Wohnraum, Freiflächen und Platz zum selbstbestimmten Spielen und Treffen.
  • Die offene Jungendarbeit soll ausgebaut werden.
  • Plätze in vorschulischen Einrichtungen müssen ohne Warteliste jederzeit zur Verfügung gestellt werden. Gesundes Kita-Essen darf an mangelndem Geld nicht scheitern. Die Beiträge müssen sozial gerecht sein.

In Würde altern

  • In den kommenden Jahren wird die Anzahl an älteren und alten Menschen deutlich steigen. Altersgerechte Wohnmöglichkeiten und eine barrierefreie Nahversorgung tragen zu einer gelingenden Lebensführung in der eigenen Wohnung ebenso bei wie eine gute Versorgungs-, Dienstleistungs- und Pflegeinfrastruktur. Ehrenamtliches Engagement in diesen Bereichen ist zu unterstützen.
  • Das Angebot von hauswirtschaftlichen und ambulanten Hilfsdiensten muss bedarfsgerecht gestaltet werden.
  • Für Menschen, die in einer Heim- oder Pflegeeinrichtung leben wollen, müssen ausreichende Angebote in hoher Qualität bereitgestellt werden.

Armut ist mehr als kein Geld.

  • Armut darf nicht in Statistiken abgeheftet bleiben, sondern muss frühzeitig durch zielgerichtete Maßnahmen gemeinsam mit der Region Hannover bekämpft werden.
  • Es darf keine Kürzungen im Sozialbereich geben. Die entsprechenden Budgetposten müssen bedarfsgerecht ausgebaut werden.
  • Jungen Familien, Kindern und Jugendlichen in prekären Lebensverhältnissen muss die Teilhabe an kulturellen, sportlichen und sozialen Angeboten erleichtert werden.
  • Wir stärken weiterhin Angebote wie die Laatzener Tafel, Schuldner*innen-Beratung und Beratung in besonderen Lebenslagen.
  • Jedem Kind soll es möglich sein, unbürokratisch in Kita oder Schule an der Verpflegung teilzunehmen, egal welcher sozialen Herkunft.
  • Der Hemmingen Aktiv-Pass soll um weitere Angebote ausgebaut werden.

Couragiert und konsequent gegen Rassismus und Ausgrenzung

  • Es ist an der Zeit, Rassismus und Antisemitismus an der Wurzel zu packen und strukturell zu bekämpfen. Unsere Gesellschaft braucht ein Grundwissen über Rassismus, nur so können wir Rassismus verlernen – institutionell und auch jede*r für sich ganz persönlich. Wir müssen unsere eigenen Strukturen und Muster konsequent hinterfragen.
  • Wir erkennen an, dass „Einheit in Vielfalt“ unser Leitbild ist und die chancengerechte Gestaltung der Gesellschaft eine Gemeinschaftsaufgabe ist. Wir wollen Barrierefreiheit schaffen, damit Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt am öffentlichen Leben teilhaben und selbstbestimmt, gemeinsam mit nichtbehinderten Menschen in Hemmingen leben, lernen und arbeiten können.
  • Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*-, Inter*- und queere Menschen (LSBTIQ*) sollen selbstbestimmt und diskriminierungsfrei ihr Leben in Hemmingen leben können. Wir setzen uns für Aufklärungskampagnen über die Vielfalt sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten ein.
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  • Wir wollen einen „Partizipationsrat“ in Hemmingen einrichten, denn Antirassismus, Teilhabe und Vielfalt kann nur erfolgreich etabliert werden, wenn diejenigen, die von strukturellem und institutionalisiertem Rassismus betroffen sind, zu Wort kommen, wenn deren Expertise und Perspektive gehört und ernst genommen werden.
  • Bildung muss in allen Schulen, KiTa‘s und der VHS rassismuskritisch gestaltet werden. Um sich mit den Grundwerten unserer Demokratie, mit allen Formen von Ausgrenzung auseinandersetzen zu können, ist politische und historische Bildung unerlässlich. Wir verstehen politische Bildung generationenübergreifend als Teil des lebenslangen Lernens, das gezielt gefördert werden muss, auch finanziell im Rahmen entsprechender Projekte.
  • Die Stadt soll allen städtischen Mitarbeiter*innen in regelmäßigen Abständen die Teilnahme an einem Antirassismustraining ermöglichen.
  • Sprache ist soziales Handeln, sie befindet sich deshalb in einem permanenten Änderungsprozess. Aus diesem Grund fließt auch die notwendige Debatte über Gendergerechtigkeit in unseren Sprachgebrauch ein. Eine gewaltfreie Kommunikation, die sensibel ist für die Vermeidung von Herabsetzung und Ausgrenzung ist ein Gegenpol zu Hassreden im Internet.

Auch ohne anstehende Wahl – Bürger*innen wollen gehört werden.

  • Bürgerdialogformate wie die Stadtgespräche der Hemminger Grünen sind bewährte Veranstaltungen, um Bürger*innen untereinander mit Unterstützung von Experten ins Gespräch zu bringen und ihre Themen und Anregungen in den Rat zu bringen.
  • Die Internetpräsenz der Hemminger Grünen sowie ihre Auftritte auf sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Twitter laden zur Information und zum Austausch ein. Diese Chancen, unterschiedliche Altersgruppen anzusprechen, sollte auch die Stadt nutzen.
  • Beteiligungsformate für Jugendliche wie „Pimp your town“ oder „plenergy“ erzeugen politisches Bewusstsein und verdienen Förderung. Auch Kinder sind in Belangen, die sie betreffen, über Beteiligungsverfahren in die Entscheidungen einzubeziehen.
  • Geloste Bürger*räte sind ein vielversprechendes Verfahren, das Teilhabe und Willensbildung für einen repräsentativen Querschnitt der Gesellschaft ermöglicht.

Inklusion und Integration beginnen in der Kita.

  • In einer großen Kraftanstrengung haben wir uns der globalen Krise von Flucht und Vertreibung gestellt und dazu unseren humanitären Beitrag geleistet. Dies werden wir weiter tun. Die Geflüchteten sind ein Teil unserer Gesellschaft geworden, ihre Kinder besuchen unsere Schulen, viele möchten Anschluss an unseren Arbeitsmarkt finden.
  • Die mit den Flüchtlingen betraute Sozialarbeit der Stadt und das Hemminger Netzwerk für Flüchtlinge müssen weiterhin gestärkt werden. In den kommenden Jahren erwarten wir in Hemmingen weiterhin viele Geflüchtete. Schon jetzt zeigt sich, dass die Bedürfnisse dieser Menschen vielfältiger und individueller werden. Deshalb müssen wir auf die Aufnahme und Integration aber auch auf die soziale Betreuung in Zukunft noch mehr Anstrengung verwenden. Zur Integration der Geflüchteten gehören dezentrale Unterbringung, niederschwellige Willkommens- und Unterstützungsangebote und Hilfe bei der Integration in den Arbeitsmarkt.
  • Die Bildungseinrichtungen dürfen mit der Inklusion und Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen nicht allein gelassen werden. Wenn bei den Schulen Bedarf an sozialpädagogischer Unterstützung besteht, der nicht über ministerielle Zuweisungen gedeckt wird, sollte die Stadt Abhilfe schaffen.