Kapitel 4: Den Stadtraum weiterentwickeln

Hitzesommer, Starkregen, verdorrte Felder, Überschwemmungen – die Auswirkungen des Klimawandels werden auch in unseren Breiten immer ersichtlicher. Wesentliche Hauptverursacher der klimaschädlichen Emissionen sind der Energieverbrauch für Strom und Wärme im Wohn- und Gewerbebereich. Trotzdem wird und muss auch in Hemmingen weiter gebaut werden, weil der Siedlungsdruck in der Region Hannover anhält. Gerade deshalb sind intelligente Stadtentwicklung und klimaschonende Bauweisen ein wichtiger und wirksamer Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen.

Der Bedarf ist groß, der Platz begrenzt.



Hemmingen ist besonders für junge Familien als Wohnstandort attraktiv. Doch der Erwerb von Wohneigentum ohne Finanzpolster oder eine bezahlbare Mietwohnung sind heute für die meisten kaum noch erreichbar. Genossenschaftliche Wohnformen, Baugruppen und Baugemeinschaften können auch Menschen mit geringem Einkommen das Wohnen in Hemmingen ermöglichen.

  • Neue Baugebiete müssen einen Anteil von 20 bis 30% von geförderten Wohnungen bieten.
  • Urbanes Wohnen in verdichteter Bauweise mit guter Versorgungsinfrastruktur, großzügigem öffentlichem und gemeinschaftlich genutztem Grün sowie der Möglichkeit, in benachbarten Coworking Spaces zu arbeiten, ist eine attraktive Alternative zum Einfamilienhaus.



Stadtgrün ist mehr als Architektenpetersilie.



Gärten und Grünanlagen haben nicht nur eine optische, sondern auch eine bedeutsame klimatische und damit gesundheitsfördernde Funktion. Eine gesunde Mischung aus vielfältigen Gehölzen und Bodendeckern trägt zu stabiler Temperatur und Feuchtigkeit bei.

Jede Baumaßnahme verkleinert die Grünfläche. Wenn wir trotzdem Wohnfläche schaffen wollen, muss der dazu erforderliche Flächenverbrauch kompensiert werden.

  • Freier Parkraum zum Abstellen von Kraftfahrzeugen ist eine Subventionierung von Autofahrer*innen, die in Anbetracht des Klimawandels nicht mehr zu rechtfertigen ist.
  • Der Bereich von öffentlichem Grün darf nicht vermindert, sondern muss in seiner Qualität erhalten oder verbessert werden. Bei größeren Bauvorhaben sind solche Flächen ausdrücklich mitzudenken.
  • Auf Biodiversität muss dabei ein besonderes Augenmerk gerichtet werden.



In Hemmingen ist die Erholung nah.

 

  • Die hohe Qualität der Hemminger Naherholungsgebiete ist über die Stadtgrenzen hinaus attraktiv. Trotz der teilweise erheblichen Beeinträchtigung des Freizeitwegenetzes durch die Umgehungsstraße kann man sich durch viel Grün in abwechslungsreicher Landschaft bewegen. Dies muss erhalten und weiterentwickelt werden.
  • Städtebauliche Entwicklung muss möglich bleiben, allerdings bei gleichzeitiger Beachtung des Landschaftsverbrauchs. Ein neuer Landschaftsplan ist dringend erforderlich.

Wohngebiete müssen sozial funktionieren.



Traditionelle dörfliche Sozialstrukturen könnten in Hemmingen bald verschwunden sein. Wenn Sportvereine zu Gesundheitsdienstleistern werden, verkümmert das Vereinsleben. Der Sportplatz und die Kneipe verschwinden als soziale Orte. Die Stadt als Schlafstadt mit den aufgereihten Einfamilienhäusern begünstigt architektonisch die Abgrenzung. Wenn ein soziales Netz in der Nachbarschaft nicht gewachsen ist, bietet es auch später keinen Schutz.

  • Zwischen dem privaten und dem öffentlichen Raum fehlen oft die halböffentlichen Bereiche, in denen Begegnung stattfinden kann. Spielplätze sollten multifunktional so gestaltet sein, dass sie auch den Eltern oder Großeltern zur Begegnung dienen können.
  • Neue Quartiere müssen auch einen sanften Generationenwechsel in den Wohnungen ermöglichen, ohne dass man im Alter gezwungen wird, seine gewohnte Umgebung zu verlassen.



Nachhaltig planen mit der Stadtbahn



Neue Quartiere müssen sehr sorgfältig in ihrer stadtgestalterischen Gesamtheit gedacht werden. Dazu bietet sich ein Wettbewerbsverfahren an, das Varianten zur Diskussion stellt. Auch aus ökologischer und klimapolitischer Perspektive sollte ein neues Baugebiet zukunftsweisenden Charakter haben. Suffizienz (Wie viel Fläche ist wirklich nötig, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen?), Effizienz (Wie kann man Material und Energie so ergiebig wie möglich nutzen?) und Konsistenz (Wie kann man Stoffe und Leistungen des Ökosystems nutzen, ohne es zu zerstören?) müssen Richtschnur für künftiges Bauen sein.

  • Das geplante neue Baugebiet Buchholzfeld (Fläche 60) an der Endhaltestelle der Stadtbahn bietet hervorragende Rahmenbedingungen für eine exemplarische nachhaltige Siedlungsentwicklung. Eine flächensparende Bebauung von 3 bis 5 Geschossen in der Nähe der Stadtbahn ist angemessen und städtebaulich verträglich. Je näher an der Stadtbahn, desto höher kann gebaut werden. Zu einer aufgelockerten Mischbebauung gehört auch ein Angebot an kompakteren Wohneinheiten wie Reihenhäusern.
  • Mit der Stadtbahn eröffnet sich auch die Möglichkeit, die Grundstücke an der B3 alt besser zu nutzen. Im Gewerbegebiet z.B. können aus heutigen Rückseiten attraktive Vorderseiten werden. Das Potenzial ist groß! Mit Hilfe einer Masterplanung für den gesamten Bereich südlich der Berliner Straße/Gutenbergstraße soll der Rahmen gesetzt werden.
  • Die Stadtbahnverlängerung nach Arnum scheint in greifbare Nähe zu kommen. Damit könnte eine Grundvoraussetzung für weitere Wohngebiete im westlichen Arnum erfüllt werden. Allerdings benötigen wir auch ein tragfähiges Verkehrskonzept, das einen Anschluss an die bestehenden Busverbindungen sicherstellt.